Die Ursache gesundheitlicher Beschwerden liegt nicht immer an der Stelle, an der Symptome auftreten. Häufig können stille Entzündungsherde im Körper andere Regionen beeinflussen – oftmals unbemerkt, aber langfristig belastend für Immunsystem und Stoffwechsel.
Wurzelbehandelte Zähne sind Zähne, deren entzündetes oder abgestorbenes Zahnmark entfernt und deren Wurzelkanäle sorgfältig gereinigt, desinfiziert und bakteriendicht verschlossen wurden, um den natürlichen Zahn langfristig zu erhalten. Im zahnmedizinischen Bereich zählen wurzelkanalbehandelte Zähne sowie chronische Entzündungsprozesse im Kieferknochen zu möglichen Belastungsquellen. In bestimmten Fällen kann es sinnvoll sein, stark belastete Zähne zu entfernen und durch biokompatible, metallfreie Versorgungen wie Keramikimplantate zu ersetzen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen entzündliche Knochenveränderungen, die als FDOK (Fettig-degenerative Osteolyse des Kieferknochens) bzw. NICO (Neuralgia Inducing Cavitational Osteonecrosis) bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um chronische, häufig symptomarme Entzündungsprozesse im Kieferknochen, die unter anderem nach Zahnentfernungen, durch Durchblutungsstörungen oder langanhaltende Entzündungen entstehen können. Solche Prozesse stehen im Verdacht, entzündungsfördernde Botenstoffe freizusetzen und dadurch systemische Beschwerden zu verstärken.
Zur Diagnostik nutzen wir eine Kombination aus strahlenarmer digitaler 3D-Röntgendiagnostik (DVT) sowie speziellen Laboruntersuchungen wie der RANTES/CCL5-Bestimmung im Blut, die Hinweise auf chronische entzündliche Aktivität geben kann.
Die Behandlung erfolgt durch eine sorgfältige chirurgische Revision der betroffenen Knochenbereiche. Dabei setzen wir unter anderem die Piezochirurgie ein – ein besonders schonendes Ultraschallverfahren, das Knochen präzise bearbeiten kann und gleichzeitig umliegendes Weichgewebe schützt.
Nach der Reinigung des betroffenen Areals wird der Knochen in vielen Fällen mit A-PRF (körpereigenen Wachstumsfaktoren aus Eigenblut) aufgefüllt, um Heilung, Regeneration und Knochenneubildung gezielt zu unterstützen.
Durch die Beseitigung chronischer Entzündungsquellen kann der Organismus langfristig entlastet werden. Dies kann insbesondere für Patienten mit entzündungsassoziierten Erkrankungen von Bedeutung sein, beispielsweise bei:
chronischen Schmerzsyndromen und Gesichts- oder Kieferbeschwerden
wiederkehrenden Entzündungen im Körper
rheumatischen und autoimmunen Erkrankungen
chronischer Müdigkeit und reduzierter Belastbarkeit
therapieresistenten Kiefer- oder Zahnproblemen
bestimmten unklaren systemischen Beschwerden mit entzündlicher Beteiligung
Die Sanierung stiller Entzündungsherde kann dazu beitragen, entzündungsfördernde Botenstoffe zu reduzieren, das Immunsystem zu entlasten und die körpereigenen Regulations- und Heilungsprozesse zu unterstützen. Sie stellt damit häufig einen wichtigen Baustein innerhalb eines interdisziplinären, ganzheitlichen Behandlungskonzeptes dar.